Der Wandel der Büroarbeitswelt hat zwei Arbeitsorte verstärkt in den Fokus gerückt: Home-Office und Coworking-Space. Office Roxx hat die Personalmanagerin Barbara Frett und den Vorstand der cowork AG Tobias Kollewe zum Interview geladen und zu den Vor- und Nachteilen der beiden Modelle interviewt.

Beide Modelle haben ihre Vorteile und zugleich ihre Grenzen. Während Barbara Frett seit vielen Jahren als Personalmanagerin in mittelständischen Betrieben und Konzernen gute Erfahrungen mit dem Konzept Home-Office gemacht hat, setzt sich Tobias Kollewe unter anderem als Vorstand des Bundesverbandes Coworking Deutschland (German Coworking Federation) für mehr Coworking-Spaces in Deutschland ein, vor allem im ländlichen Raum. Vorhang auf zu einem interessanten Experten-Schlagabtausch.

Frau Frett, Sie sind seit vielen Jahren klare Verfechterin des Home-Office. Warum kämpfen Sie so sehr für den Arbeitsplatz zu Hause?

Barbara Frett (BF): In Deutschland stehen wir in Sachen Flexibilisierung der Büroarbeit und insbesondere der Möglichkeit Home-Office im internationalen Vergleich noch am Anfang. Es existieren leider immer noch die altertümlichen Vorurteile, dass Mitarbeiter im Home-Office weniger produktiv sind, da sie nicht ausreichend kontrolliert werden können. Nehmen Sie dagegen die Niederlande. Dort gibt es einen Rechtsanspruch aufs Home-Office.

Ich persönlich bin überzeugt vom Konzept des Home-Office. Das hat sich in meiner jahrelangen Arbeit im HR-Bereich immer wieder gezeigt. Meiner Erfahrung nach bringt das Home-Office generell viele Vorteile. Das sind unter anderem:

  • Befreiung von räumlichen Grenzen,
  • Bindung von Müttern und Vätern als Arbeitskraft,
  • Steigerung der Effizienz und Erhöhung der Motivation.

So gibt es Branchen, in denen es gar nicht mehr ohne den dezentralen Arbeitsplatz geht. Hier sind etwa die Außendienstmitarbeiter, die sehr weit weg von der Firmenzentrale tätig sind, oder die Softwareentwickler, die sogar in Übersee sitzen und arbeiten, beispielhaft zu nennen. Aber auch andere Branchen und Unternehmen können von einer Flexibilisierung des Arbeitsplatzes profitieren. Denken Sie nur an berufstätige Mütter und Väter. Sie können oft nur mit einem Home-Office-Arbeitsplatz Beruf und Familie miteinander vereinbaren. Und die Unternehmen verlieren diese Mitarbeiter nicht komplett als Arbeitskraft.

Herr Kollewe, Ihnen als Vorstand des Bundesverbandes Coworking müsste eine solche Ansicht ein Dorn im Auge sein. Denn Home Office steht doch im Konkurrenzkampf zum Coworking. Oder nicht?

Tobias Kollewe (TK): Ich glaube nicht, dass es einen Konkurrenzkampf zwischen Home-Office und Coworking gibt, und ich glaube, dass wir den auch nicht entfachen sollten. Coworking ist für die dringend notwendige Flexibilisierung unserer Arbeitswelt eine gute Lösung. Hier finden Arbeitnehmer den Arbeitsplatz, den sie für eine produktive Arbeit benötigen. Angefangen von der kompletten IT-Infrastruktur über die professionelle Raumausstattung bis zur nötigen Ruhe. Und der von Arbeitspsychologen als notwendig angesehene Austausch ist auch im Coworking-Space gegeben – oft auch noch inspirierender, als im klassischen Büro-Setting.

Fast wöchentlich eröffnen neue Coworking-Spaces in Deutschland. Dieses rasante Wachstum deckt den tatsächlichen Bedarf von Unternehmen und Wissensarbeiten. Das hat seinen Grund.

 

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Das Doppelinterview mit Tobias Kollewe und Barbara Frett „Coworking vs. Home-Office“ ist im November 2018 im „amtlichen Büroblog“ OFFICE ROXX erschienen.