In unserer Reihe #SPACES stellen wir Coworking Spaces und hybride Flächenangebote aus ganz Deutschland vor. Im heutigen Beitrag geht es um den Coworking Space “Schreibtisch in Prüm” in der Eifel. Dazu haben wir ein Interview mit Annika Saß geführt, die am Projekt beteiligt war.

LocationSchreibtisch in Prüm
Kalvarienbergstr. 4, 54595 Prüm/Eifel
URLwww.schreibtischinpruem.de
Betreiber (Name der Firma oder der Personen)Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz e.V.
Größe in Quadratmetern (gesamt)140 qm
Anzahl Schreibtische (fix und flex gesamt)8
Gründungsjahr2017

Portrait

Ein Coworking Space mit Modellcharakter ist der „Schreibtisch in Prüm“ in der Eifel. Er wird von der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz e.V. als Modellprojekt betrieben.
Die Entwicklungsagentur führt verschiedene Projekte in der Kommunalentwicklung durch. Eines der Themen, die man bearbeitet, ist die Digitalisierung: Wie kann der ländliche Raum von Rheinland-Pfalz von der Digitalisierung profitieren? In diesem Rahmen findet auch das Projekt „Schreibtisch in Prüm“ in Zusammenarbeit mit der Verbandsgemeinde Prüm und dem Eifelkreis Bitburg-Prüm statt.

Den Impuls für ein solches Projekt gab die Erkenntnis, dass der ländliche Raum zwar Ruhe, schöne Landschaft und niedrige Immobilienpreise bietet, aber wenig Arbeitsplätze für junge Leute. Die suchen Arbeit in den Ballungsräumen, die Dörfer werden immer leerer. Die Dorfkerne sterben aus, Häuser bleiben unbewohnt. Die Menschen müssen weite Strecken zu ihren Arbeitsplätzen pendeln, es fehlt die Zeit für Ehrenamt und Gemeinschaft – für das, was das Dorfleben eigentlich ausmacht.

Hier kann Coworking eine Rolle spielen bei der Entwicklung und Stärkung des ländlichen Raums. Ein Coworking Space bietet eine Chance, das Dorf wieder zu beleben. Die Werte des Coworkings und die Werte des Dorflebens ergänzen sich: zum Beispiel Community oder Nachhaltigkeit – das wird auf dem Dorf seit Jahrhunderten gelebt.
Wirtschaftlich lohnt es sich bisher meist nicht, einen Coworking Space im ländlichen Raum zu eröffnen, daher gibt es noch sehr wenige Vorbilder. 

Die Entwicklungsagentur versteht Coworking als Chance zur Kommunalentwicklung. Daher probieren die Macher mit dem „Schreibtisch in Prüm“ ein Testmodell für einen Coworking Space im ländlichen Raum von Rheinland-Pfalz aus. 

Annika Saß hat die Projektleitung bei der Entwicklungsagentur und ist seit der Eröffnung des Schreibtisch in Prüm am Projekt beteiligt.

Interview mit Annika Saß

Wie würdest Du Euren Coworking Space beschreiben?

Das Besondere am Schreibtisch in Prüm ist sein Modellcharakter. In ländlichen Räumen von Rheinland-Pfalz gibt es kein vergleichbares Projekt. Wir probieren aus, was funktioniert und was nicht. Dazu stehen wir in engem Kontakt mit den Coworkern.
Wir sind vor allem an Erkenntnissen interessiert: Was sind die Voraussetzungen für den erfolgreichen Betrieb eines Coworking Space im ländlichen Raum? Wie ist der Bedarf? Was macht einen Coworking Space im ländlichen Raum aus? Gibt es Unterschiede zu städtischen Coworking Spaces? Wenn ja, welche?
Besonders spannend sind unsere Coworkerinnen und Coworker. Wir hatten natürlich Vermutungen über mögliche Zielgruppen und Bedarfe als wir angefangen haben, aber es kam ganz anders: Eine unserer Coworkerinnen stammt aus Prüm, lebt und arbeitet aber eigentlich in Bonn. Kurz vor der Eröffnung des Schreibtisch in Prüm ist ihre Mutter erkrankt und brauchte Betreuung. Die Coworkerin kann jetzt durch den Schreibtisch in Prüm ihre Mutter versorgen und gleichzeitig ihrer Arbeit nachgehen. Im Moment arbeitet sie 2 Tage pro Woche in Bonn und 3 Tage pro Woche im Coworking Space.

Wo liegt Euer Coworking Space?

Der Schreibtisch in Prüm belebt kommunalen Leerstand: im ehemaligen Kreiswasserwerk des Eifelkreises Bitburg-Prüm nutzt der Schreibtisch in Prüm eine Etage. Das Gebäude liegt relativ zentral in Prüm. Die Stadt Prüm liegt in der Eifel und hat ca. 5500 Einwohner. Von Trier ist sie 64 km entfernt, von Köln genau 111 km.

Wie setzt sich die Nutzerstruktur in Eurem Space zusammen? Wer kommt zum Coworking?

Unsere Coworker sind Freelancer, Selbstständige, Angestellte und Vertriebsteams. Der Schreibtisch in Prüm wird sowohl für Team-Meetings genutzt als auch als Alternative zum Homeoffice oder für Kunden- und Beratungsgespräche.
Einer unserer Coworker hat in der Zeit seiner Rente ein Unternehmen gegründet und ein weiteres gekauft. Die beiden Unternehmen betreibt er vom Schreibtisch in Prüm aus, da er Zuhause und Arbeitsplatz räumlich trennen möchte – so kann ihn seine Frau nicht spontan zum Einkaufen schicken, sagt er.
Wir haben eine Coworkerin, die einen ruhigen Arbeitsplatz sucht, von dem aus sie konzeptionelle Arbeit leisten kann – an ihrem eigentlichen Arbeitsort ist es dafür zu laut und die Ablenkung ist zu groß.
Es gibt sogar einen richtigen (ehemaligen) digitalen Nomaden bei uns in der Eifel: er hat international in verschiedenen Coworking Spaces als Freelancer gearbeitet und sich dann entschieden, einen festen Wohnsitz in einem Gebiet mit möglichst geringen Lebenshaltungskosten zu nehmen. Für ihn ist vor allem die Internetverbindung ein wichtiges Argument fürs Coworking.

Gibt es (schwerpunktmäßig) bestimmte Branchen, aus denen Eure Coworker stammen? 

Die Coworker arbeiten im IT-Bereich, im Vertrieb, im Bereich Bildung und in Coaching/Beratung.

Was kostet bei Dir/Euch ein Flexdesk / Hotdesk etc. pro Monat?

Flexdesk: 42,02 € netto pro Monat bei Nutzung einmal wöchentlich 

Und was kostet ein fester Schreibtisch (Fixdesk) pro Monat?

84,03 € netto pro Monat

Welche Leistungen sind für Coworker in Deinem / Eurem Space inklusive?

Die Nutzung des Besprechungsraumes, WLAN, LAN, Drucken und Kaffee.

Thema Nachhaltigkeit: Spielen ökologische Gedanken in Eurer täglichen Arbeit oder in der Ausrichtung Eures Space eine besondere Rolle? Wenn ja, welche?

Wenn es gelingt, beispielsweise die Pendlerzahlen durch Coworking langfristig zu reduzieren, wird hat das natürlich auch ökologische Auswirkungen haben: weniger Belastung der Luft durch Autoabgase und weniger Abnutzung der Straßen.

… und wie lange bleibt Euch der durchschnittliche Coworker treu?

Es hat in den eineinhalb Jahren Laufzeit seit der Eröffnung erst eine Person gekündigt. Alle anderen sind dageblieben, die längste seit eineinhalb Jahren.

Wie geht es weiter mit bzw. in Eurem Coworking Space? Was passiert als Nächstes? Was steht an? Was plant Ihr in der Zukunft?

Wir besprechen gerade mit den Projektpartnern, wie es mit dem Schreibtisch in Prüm weitergeht. Das Ziel ist es, ihn langfristig zu erhalten und die Erfahrungen und Erkenntnisse anderen Kommunen zugänglich zu machen, damit die Idee des Coworkings im ländlichen Raum sich in Rheinland-Pfalz durchsetzt.

Und die wichtigste Frage zum Schluss: Wie sieht es bei Euch mit Kaffee aus? 

Ob ihr es glaubt oder nicht, wir haben „nur“ eine French Press-Kaffeemaschine. Die Coworker haben eine Kaffee-Flatrate, trinken aber eher Tee oder Wasser.

Fotos: Kerstin Werner, Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz e.V.

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