Coworking als Arbeitskonzept nach vorne bringen, wohnortnahes Arbeiten ermöglichen und dadurch auch das Klima schützen: Das ist das gemeinsame Ziel des Forschungsinstituts für innovative Arbeitsgestaltung und Prävention (FIAP e.V.) und des Bundesverband Coworking Spaces Deutschland e.V. (BVCS). Das gemeinnützige Institut FIAP e.V. beschäftigt sich seit 2010 mit Fragen und Problemen der modernen Arbeitswelt. Seit dem letzten Jahr arbeiten die beiden Verbände zusammen daran, die Arbeit an dritten Orten für Arbeitnehmer und -geber zu vereinfachen, ihre Wahrnehmung weiterzuentwickeln und Barrieren zu Remote Work abzubauen. So fand beispielsweise erst kürzlich die gemeinsame Veranstaltung „Arbeitsmobilität 2.0“ statt. Insbesondere in Hinblick auf die neue Regierung erscheint ein noch stärkerer Wandel der Arbeitswelt als logische Konsequenz für Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Nun wurde von den beiden Verbänden gemeinsam ein Memorandum erstellt mit dem Titel „Offensive Remote Work: Coworking für bessere Arbeit und mehr Klimaschutz“. Dies soll dazu beitragen, mehr politische, wirtschaftliche, wissenschaftliche und öffentliche Unterstützung für Projekte in diesem Bereich sowie allgemein mehr Auseinandersetzung mit dem Thema anzustoßen.


Memorandum
des Bundesverband Coworking Spaces Deutschland e.V. (BVCS) und des Forschungsinstituts für innovative Arbeitsgestaltung und Prävention (FIAP e.V.)
Offensive Remote Work:
Coworking für bessere Arbeit und mehr Klimaschutz
Die Corona-Krise zeigt: Die Arbeit im Homeoffice ist für jeden zweiten Beschäftigten eine Alternative zum Arbeitsplatz im Unternehmen geworden. Für viele Beschäftigte ist sie aber derzeit nur ein pandemiebedingter Notnagel, denn Nachteile des Arbeitens zu Hause werden offensichtlich. Vorteilen des mobilen Arbeitens wie eine erhöhte Selbstbestimmung des Arbeitsalltages, die Vermeidung langer Pendelstrecken und mehr Möglichkeiten zur Vereinbarung der Arbeit mit dem Privatleben stehen viele Nachteile gegenüber: improvisierte Arbeitsplätze, zusätzliche Kosten, weniger Austausch mit Kolleginnen und Kollegen, Vereinsamung und Überforderung.
Die Potenziale von Remote Work – des Arbeitens an dritten Arbeitsorten (insbesondere Coworking Spaces) – werden bislang von Politik und Wirtschaft unterbelichtet und drohen, durch die Pandemie weiter ins Hintertreffen zu geraten.
Wohnortnahe dritte Arbeitsorte haben gegenüber dem Arbeitsplatz zu Hause sowie dem klassischen Arbeitsplatz im Unternehmen aus unserer Sicht das Potenzial, die Digitalisierungs- und Nachhaltigkeitspotenziale neuer Arbeitswelten besser auszuschöpfen, Pendlerströme zu reduzieren, bessere und sozialverträglichere Arbeitsbedingungen zu generieren, die Fachkräftegewinnung und -bindung zu erhöhen und ländliche wie städtische Wohnquartiere zu beleben. Sie ermöglichen Beschäftigten flexiblere und selbstbestimmtere Arbeit und bieten den sie beschäftigenden Unternehmen das Potenzial, durch die Nutzung von Coworking Spaces die Arbeitsgeberattraktivität und Produktivität zu erhöhen.
Aktuell liegt der (politische) Fokus zu stark auf ‚Homeoffice‘ als Arbeitsort. Die Arbeit wird zu sehr an den ersten Ort – das Zuhause – verlagert. Die Förderung und Gestaltung von wohnortsnahen dritten Arbeitsorten (vor allem Coworking Spaces) durch
- bessere Rahmenordnungen und gesellschaftliche Förderung,
- durch Entwicklung passender Strategien der Unternehmen und
- durch dazugehörigen Kompetenzaufbau bei Beschäftigtenmuss aus unserer Sicht dringend angeschoben werden.
Notwendig ist eine wirtschafts- und beschäftigungspolitische Remote Work-Offensive, die folgende Leitideen umsetzt:
- Politische Programme, die dritte Arbeitsorte in ländlichen Regionen, strukturschwachen Quartieren und Pendlerstädten auch außerhalb der urbanen Metropolregionen unterstützen;
- Forschungs- und Entwicklungsprogramme, die die Gestaltung qualitätsorientierter und professioneller Coworking Spaces als alternative Arbeitsorte im Quartier unterstützen;
- Öffentlich unterstützte Remote Work-Programme in Unternehmen und Verwaltungen;
- Einbezug von Coworking in Konzepte der Wirtschaftsförderung und Regionalentwicklung;
- Anreize für klimafreundliche mobile Arbeit für Beschäftigte und Unternehmen
- Regelungen zum Daten-, Arbeits- und Gesundheitsschutz auch an dritten Arbeitsorten;
- Coworking-Förderung statt Pendlerpauschale und Dienstwagenprivileg.
Wir empfehlen daher Politik, Interessenvertretungen, Verbände und Unternehmen, eine Akzeptanz-, Innovations- und Umsetzungsoffensive für dritte Arbeitsorte zu starten, die folgende Handlungsfelder bearbeitet:
- Rechtliche Rahmenbedingungen für dritte Arbeitsorte durch eine gesetzliche Regelung von Arbeit zu verbessern (Recht auf Remote Work statt Recht auf Homeoffice);
- Coworking Spaces gegenüber Homeoffice aufzuwerten und die Wahrnehmung moderner Arbeitsorte weiterzuentwickeln;
- Technische, soziale und emotionale Barrieren der Arbeit und Führung auf Distanz bei Beschäftigen wie Unternehmen abzubauen.
Tobias Kollewe (Präsident BVCS)
Prof. Dr. Axel Minten (Vizepräsident BVCS)
Dr. Rüdiger Klatt (Institutsleiter FIAP)
Memorandum Remote Work Offensive 2021 in Originalfassung zum Download
